Dass es immer noch möglich ist, als kleines Indie-Label langfristig zu überleben, zeigt Summerhouse Records aus London. Seit 1986 veröffentlicht es stilsichere Platten und hält so die Fahne der alten unabhängigen Musikszene Englands hoch. Labelgründer William Jones lässt 20 Jahre englische Musik revue passieren und gibt nebenbei noch ein paar Hörempfehlungen.
William Jones: Hallo, ich heiße William Jones. Ich bin Sänger, Songwriter und Gitarist der Indie-Pop-Band Friends. Außerdem betreibe ich das Label Summerhouse Records, das seit 1986 Platten veröffentlicht. Unter anderem Showstar, Southbeach und natürlich auch die meiner eigenen Band.
William Jones: Ich glaube es war eine Mischung aus Entschlossenheit, Dickköpfigkeit und kleineren Erfolgen. Allerdings hat das Label nie meine Rechnungen bezahlt. Aber ich betreibe es sehr seriös und vorsichtig, da ich es als rentablen Betrieb verstehe, der mit jeder Veröffentlichung so viel Geld einnehmen soll, dass ich die nächste Platte herausbringen kann. Ich habe in den vergangenen 23 Jahren viele Label pleite gehen sehen. Für mich ist es schon ein Erfolg, dass Summerhouse Records immer noch existiert.
William Jones: Oh, es sind sogar zum größten Teil neue Fans. Diejenigen, die ihre Vinyl-Platten ersetzen wollten, haben das in den 1990er Jahren getan. Heute kaufen Kids die Platten, die Reviews gelesen haben oder über Mundpropaganda von uns gehört haben und sich für 1980er- und 1990er-Pop interessieren. Unser erstes Album „Let´s Get Away From It All" (von der Band Friends, Anm. d. Verf.) ist ein Klassiker und immer noch sehr populär. Es werden also auch die alten Platten gekauft. Man muss wissen, dass wir kein Label sind, dass lediglich die Backkataloge alter Bands verwaltet. Wir möchten nur, dass es für die Menschen möglich ist, an die älteren Platten heranzukommen. Southbeach, eine unserer aktuellen Bands, produziert Dance-Music, das hat einige da draußen extrem überrascht,
William Jones: Wow, das ist eine schwierige Frage, da sich so unglaublich viel verändert hat. Um ehrlich zu sein habe ich mich nicht so sehr mit den verschiedenen Trends auseinander gesetzt. Wenn du in diesem Bereich so eine lange Zeit aktiv bist, sieht man das selbe Zeug wiederkommen. Als ich studierte habe ich viel New-Wave-/Artrock-Bands wie Josef K oder Orange Juice gehört. Und heute klingen so viele Bands wieder genauso. Mir fehlt da ein bisschen der Überraschungsmoment. Momentan ist da ein Trend zu Singer/Songwritern mit (teilweise) weiblichem Gesang. Ich liebe zum Beispiel Lily Allen. Sie ist ein toller Pop-Star und ihr erstes Album war brilliant. Das was ich bis jetzt vom neuen gehört habe klingt auch super.
William Jones: Bands, die ich wirklich mochte? Ich fand The Chameleons toll und habe versucht sie so oft wie möglich zu sehen. Sowohl in den 1980er als auch nach ihrer Reunion. Ich fand auch Dolly Mixture brilliant und finde Martin Newell's Musik und seine Gedichte fantastisch. Er ist wirklich ein begnadeter Singer/Songwriter. Und ich mag The Strawbs, Steely Dan und Nick Drake.
William Jones: Überbewertet? So viele. Aber am krassesten sind U2. Ich verstehe bis heute nicht, wie die größer und erfolgreicher werden konnten als The Chameleons. Wahrscheinlich waren sie bessere Geschäftsleute. Auf der anderen Seite habe ich über MySpace viele Bands kennen gelernt, denen ich mehr Erfolg wünschen würde: Shy Girl, Warm Morning und Birdie und natürlich den Summerhouse-Bands Friends, Showstar und Southbeach.
William Jones: Ich glaube nicht, dass das ein britisches Phänomen ist. Auch in den USA ist es sehr populär. Die Gründe für eine Reunion sind vielseitig. Zum einen wird es häufig finanzielle Gründe haben. Auf der anderen Seite fällt vielen Bands erst später auf, dass sie sich zu früh oder wegen dämlichen Gründen aufgelöst haben und es nun erneut miteinander versuchen wollen. Es ist wie in einer Beziehung. Bei einer Band war ich wirklich entzückt. Steely Dan haben sich in den 1990er-Jahren reformiert, 13 Jahre nach ihrer Auflösung. Sie hatten seit 1974 kein Konzert mehr gespielt und trotzdem haben sie alle mit einer fantastischen Liveshow überrascht. Diese Reunions funktionieren aber nur dann, wenn die Musik immer noch interessant ist und nicht nur nostalgische Gefühle erweckt.
William Jones: Im Falle meiner Band Friends kann man das so nicht sagen. Schließlich haben wir uns nie aufgelöst und immer Songs geschrieben und produziert. Allerdings haben wir eine lange Live-Pause gemacht. Einfach aus dem Grund, weil es zu teuer wurde, live aufzutreten. Showstar spielen vor allem in Belgien und Frankreich recht viel.
William Jones: Nein, leider haben wir immer noch keinen Vertrieb. Aber ihr könnt die Platten direkt über unsere Homepage ordern oder downloaden. Außerdem findet ihr die Bands alle in den bekannten MP3-Stores im Internet. Es sollte also nicht so schwer sein.